Manche Probleme lassen sich analytisch lösen. Andere nicht – egal, was Unternehmensberater behaupten. Bei komplexen Herausforderungen und Zielkonflikten kommt man durch kreative Problemlösung viel schneller zu besseren Ergebnissen. Lesen Sie warum.

Welche Strategien zur Problemlösung gibt es?

Wir haben unterschiedliche Möglichkeiten – und Präferenzen – um Probleme zu lösen:

  • Bürokratisch: Regeln und Checklisten einführen
  • Analytisch: Ursachen erforschen und Lösung ableiten
  • Direktiv: ansagen, was zu tun ist
  • Experimentell: Einfach ausprobieren
  • Intuitiv: dem Bauchgefühl folgen
  • Kreativ: neue Wege entwickeln

In der Unternehmenswelt dominieren die ersten beiden, insbesondere in großen Organisationen. Das ist in Ordnung – solange die Probleme zu diesen Lösungsstrategien passen. Sie funktionieren in weitgehend geordneten Kontexten: Wenn Dinge in ähnlicher Weise immer wieder passieren (z.B. in der traditionellen Massenproduktion) oder in nachvollziehbarer Form miteinander wechselwirken (z.B. beim Engineering). ‚Nachvollziehbar‘ heißt nicht, dass jeder es verstehen muss. Aber ein Experte (z.B. ein Ingenieur) ist in der Lage, das System zu durchschauen und analytisch zu erfassen.

Wann ist eine kreative Problemlösung gefragt?

Öfter, als man denkt. Denn sobald die oben genannten Bedingungen nicht zutreffen, stehen wir mit unseren Regeln und Analysen auf dem Schlauch. Wir können nicht regeln, was sich permanent verändert und nicht analysieren, was äußerst vielschichtig, weitgehend unbekannt und unvorhersehbar ist. Wer’s versucht, wird niemals fertig, verzweifelt oder beides. Man landet in der Überregulierung oder Analyse-Paralyse.

In folgenden Situationen kommen wir durch kreatives Problemlösen schneller und besser voran:

Komplexe Kontexte

Hier lassen sich Lösungen nicht verordnen oder herleiten. Uns bleibt nichts anderes übrig, als kreativ zu werden und neue Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Das gilt für fast alle Herausforderungen, an denen viele Menschen aus unterschiedlichen Bereichen beteiligt sind, z.B. bei Fragen der Organisationsentwicklung, der Zusammenarbeit oder der Strategieentwicklung in unsicheren Zeiten.

Zielkonflikte

Zielkonflikte sind spannend – und sehr häufig in der Business-Welt, in technischen und nicht-technischen Bereichen. Zum Beispiel: ein Bauteil soll leistungsfähiger und zugleich kleiner werden, ein Prozess soll schneller und zugleich sicherer werden, ein Produkt soll attraktiver und zugleich kostengünstiger werden usw. Eine Lösung, die zwei scheinbar unvereinbare Ziele realisiert, ist einzig und allein durch kreative Herangehensweisen zu finden.

Unbekanntes Terrain

Hier geht es um Situationen, in denen wir keine oder ungenügend Daten haben. Obendrein fehlt uns Erfahrung, aus der wir intuitiv schöpfen könnten. Der Umgang mit einer Pandemie gehört dazu, genauso wie die Digitalisierung in vielen Bereichen. Auch hier bleibt nur die kreative Route: wir müssen neue Möglichkeiten entwickeln und testen, um in die gewünschte Richtung voranzukommen.

Analysierbar, aber…

Schlussendlich gibt es eine Reihe von Problemen, bei denen wir die Ursachen durch systematische Analyse zwar finden, aber keine tragfähige Lösung daraus ableiten können. Beispielsweise wissen wir genau, dass wir gesunder wären, wenn wir uns mehr bewegen würden. Und dass wir das Lungenkrebsrisiko senken können, indem wir aufhören zu rauchen. Und? Sport ist eine Lösung, Tabakverzicht auch. Aber beides funktioniert nicht so richtig, zumindest nicht auf breiter Basis. Also müssen wir doch kreativ werden, um Veränderungen in Gang zu bringen…

Wie hoch ist die kreative Kompetenz im Unternehmen?

In Summe sind es beeindruckend viele Situationen, die kreative Herangehensweisen erfordern. Und in unserer zunehmend unsicheren Welt werden es mehr, nicht weniger. Deshalb ist die Frag wichtig, wie gut ein Unternehmen mit Know-how und Werkzeug zum kreativen Problemlösen gerüstet ist. Viele beherrschen analytische Problemlöse-Strategien sehr gut, SOPs und sonstige Regelmechanismen bis zur Perfektion. Aber wie sieht es mit kreativen Kompetenzen aus? Auch die lassen sich systematisch trainieren. Ganz ohne Seifenblasen und Konfetti. Schauen Sie in die Lesetipps, um mehr zu erfahren.

Zusammenfassung: Was ist die beste Strategie zur Problemlösung

Es kommt drauf an. Allerdings nicht darauf, was uns liegt oder was beim letzten Mal gut funktioniert hat, sondern auf die Natur des Problems, mit dem wir aktuell zu tun haben. In unserer komplexen Welt sind zunehmend kreative Lösungen gefragt. Deshalb lohnt es, Kompetenz zur kreativen Problemlösung im Unternehmen auszubauen.

Lesetipps

  • Aufräumen mit Mythen: Wie Kreativität gelingt
  • Kreativitätstraining: Ist Kreativität lernbar?
  • Cynefin®: Framework für eine komplexe Welt

Foto: Sonja Filitz