10. November 2022

Innovationskultur: Wollen Sie’s wissen?

In wenig vorhersehbaren Zeiten wissen Mitarbeitende oft schneller und besser, was ein Unternehmen braucht. Trotzdem werden sie oft nicht gehört - oder gar befähigt, etwas zu bewegen. Warum nur? Entweder, es fehlt an Mut zur Innovationskultur oder... es mangelt an geeigneten Methoden.

Die Herausforderung des Dschungels

Eine Organisationskultur ist so vielschichtig und dynamisch wie ein Dschungel. Sie lässt sich nicht linear planen wie ein Zoo. Fördern lässt sie sich hingegen schon – nur eben nicht durch zentrale Steuerung, sondern durch eine Vielzahl kleiner Schritte, die dezentral entwickelt und getestet werden. Das mag unkonventionell klingen und steht im Widerspruch zu dem, was viele Innovationsberater verkaufen - aber die Logik ist bestechend. Die Erfahrung auch. Je nach Studie gehen 70 bis 90% aller Kulturprojekte den Bach runter. Nicht zuletzt, weil wir gern so tun, als könnten wir eine Kultur eben doch entwerfen wie einen Zoo: Wir definieren Ziele, identifizieren kritische Faktoren und planen Maßnahmen, die uns sicher zum Ziel führen. Im Dschungel funktioniert das aber nicht. Hier wirken so viele Faktoren auf so komplexe Weise zusammen, dass niemand die Wirkung einzelner Maßnahmen vorhersehen kann. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken!

Schritt 1: Grobe Richtung festlegen

Denn die gute Nachricht ist: Wir müssen das auch gar nicht, vorhersehen und durchplanen bis zum Schluss. Wir brauchen keine elaborierte Zieldefinition und keine exakte Routenbeschreibung - was erstens realistisch ist und zweitens eine Menge Zeit und Buzzwords spart. Was man braucht, ist ein gemeinsames Verständnis der gewünschten Richtung, eine Art Kompass für den Dschungel. Das lässt den nötigen Freiraum, die beste Route zu wählen, je nachdem, was einem unterwegs begegnet.

Schritt 2: Das 'Hier und Jetzt' erfassen

Zweitens müssen wir verstehen, was die kulturelle Landschaft aktuell bestimmt. Denn die derzeitige Situation legt fest, was jetzt möglich ist - und was nicht. Weite Schluchten, die über viele Jahre hinweg entstanden sind, lassen sich nicht einfach überspringen. Und neue Brücken, die anderswo kürzlich erst entstanden sind, könnten hilfreich sein für unseren Weg...

Die spannende Frage ist: Wie findet man heraus, was die Innovationslandschaft in einer Organisation bestimmt? Wo Kreativität gedeiht oder erstickt? Wo ungenutzte Chancen und strukturelle Hürden für Innovation liegen? Einfach ist das nicht. In Fokus-Gruppen äußern Menschen selten, was sie wirklich denken, Einzelgespräche sind in großer Zahl sehr aufwändig, und Fragebögen sind (fast) nutzlos - u.a. weil die abgefragten Bereiche schon vor der Umfrage feststehen. Das ist genauso (wenig) hilfreich, wie das Zählen ausge­wähl­ter Pflanzen und Tiere im Dschun­gel. Am Ende hat man eine Menge Daten in vordefinierten Kategorien – und trotzdem keine Ahnung, was die Landschaft prägt. Wer's wirklich wissen will, braucht eine Methode, die die Erkenntnistiefe von individuellen Erzählungen mit der quantitativen Auswertbarkeit von Fragebögen verbindet. Der Sensemaker® ist genau das.


Sensemaker®: Neue Methode zur Datenerhebung

Die von Dave Snowden und seinem Team (The Cynefin Company) entwickelte Methodik nutzt Narrative, kurze Erzählungen alltäglicher Erlebnisse, um das kollektive Wissen in Organisationen zu erfassen und zugänglich zu machen. Über eine intuitive Nutzeroberfläche teilen Mitarbeitende ihre Erfahrung zu einer bewusst offen formulierten Einstiegsfrage und qualifizieren ihren Beitrag anschließend selbst. Ein übergreifende, quantitative Auswertung zeigt - weitgehende hypothesefrei - welche Themen die Wirklichkeit in dieser Organisation zu diesem Zeitpunkt bestimmen. Das lässt sich mit klassischen Fragebögen nie erreichen.

Denn unser Wissen steckt in Erzählungen. Nicht in Checkboxen.


Schritt 3: Viele kleine Initiativen starten

Die Ergebnisse einer Sensemaker®-Befragung liefern die perfekte Ausgangsbasis für die ersten Schritte zur Stärkung der Innovationskultur. Anhand des Materials können Teams konkrete, kreative Vorschläge entwickeln. Im obigen Beispiel könnten sie etwa einen Suchtrupp losschicken, um Routen zur Umgehung der Schlucht zu finden, parallel den Aufbau einer neuen Brücke initiieren - und dabei die Unterstützung derjenigen einholen, die in einem anderen Bereich der Organisation gerade mit Erfolg ein Brückenprojekt beendet haben. Entscheidend ist, das zu Tun, was jetzt möglich und im Lichte der gesammelten Informationen plausibel ist. Und weil wir im Dschungel eben nie so genau wissen, was passiert, ist es besser, viele kleine Initiativen zu starten und konsequent zu verfolgen, was geschieht, als mit viel Aufwand ein umfassendes Maßnahmen-Paket zu starten, dessen Wirkung völlig offen ist. Natürlich werden bei vielen Projekten Fehlschläge dabei sein - aber die sind zu verkraften, eben weil sie klein sind, und können sogar nützlich sein, weil sich daraus lernen lässt. Wenn es gelingt, einen solchen Prozess des "Wandels in kleinen Schritten" aufrechtzuerhalten, ist ein Scheitern des Gesamtvorhabens fast unmöglich.

Innovationskultur: Mut sammeln und loslegen

Die erstaunliche Schlussfolgerung ist: Sobald man die komplexe Natur eines Kulturprojektes akzeptiert, wird's leichter. Der Druck, 'den großen Wurf' zu schaffen, verschwindet. Geht eh nicht. Alles, was man braucht, ist der Mut für die allerersten Schritte. Die weiteren folgen beim Gehen.


Haben Sie den Mut? Wollen Sie's wissen?

Dann nutzen Sie die Chance! Für einen begrenzten Zeitraum biete ich im Rahmen einer Kooperation mit dem Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW) die Möglichkeit, Sensmaker® einfach und günstig auszuprobieren. Sie erhalten einen Link zu einer fertig eingerichteten Sensmaker®-Befragung. Nach Abschluss der Datensammlung erhalten Sie eine individuelle Auswertung von uns. Sie erfahren, wie Mitarbeitende in Ihrer Organisation "Innovationskultur" erleben. Wo aus ihrer Sicht Kreativität gedeiht und erstickt, wo ungenutzte Chancen und strukturelle Hürden für Innovation liegen. Das liefert die bestmögliche Ausgangsbasis für Ihr Kulturvorhaben!


Mehr Info & Lesetipps

  • Mehr Info zum Kooperationsvorhaben und unserem aktuellen Angebot "Innovationskultur wagen"
  • Kooperationspartner für dieses Projekt: Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW), Team Innovationsakzeptanz
  • Mehr über Sensemaker®, einen völlig neuen Ansatz zur Datengewinnung: The Cynefin Company & Sensemaker®
  • Kamingespräch mit Dave Snowden über Sensemaker® im Kontext von Kultur-Projekten: Video

Foto: Chris Abney on Unsplash
Zum Inhalt: Viele Gedanken beruhen auf der Arbeit von Complexity Pioneer Dave Snowden

17. September 2021

Kreativitätstraining: Kreativität im Unternehmen voranbringen

Ein bisschen Brainstorming, ein wenig 6-3-5, eine Prise Design Thinking und ein Hauch Steve Jobs, fertig ist das Kreativitätstraining. Wenn das alles ist, was Sie erwarten, brauchen Sie nicht weiterlesen.
Hier eine Übersicht, wie sich Kreativität im Unternehmen wirklich voranbringen lässt.

Kreativitätstraining: Essentielle Zutaten

Ein "Kochbuch" gängiger Kreativitätstechniken ist flott zusammengestellt. Es bringt genau so viel, wie eine Rezepte-Sammlung für den Erfolg eines Gala-Dinners. Sie haben Kochanleitungen - aber keine Ahnung, wie Sie die Zutaten, Köche und Geräte auswählen, wie Sie die Gänge aufeinander abstimmen, welche Getränke dazu passen. ... kurzum, wie Sie es anstellen, ein richtig gutes Ergebnis zu erzielen. Warum also sollten Sie sich bei einem Kreativ-Seminar mit ein paar ausgewählten Methoden zufrieden geben?

Wenn Sie die kreative Kompetenz in Ihrem Unternehmen wirklich voranbringen wollen, braucht es mehr:

1: Grundlagen von Kreativität

Die Wissenschaft hat viele spannende Erkenntnisse über Kreativität ans Licht gebracht. Wir wissen inzwischen, was die größten Hürden bei der Ideenfindung sind: Es sind in erster Linie unsere natürlichen, unbewussten Denkmuster, die uns behindern - nicht ein Mangel an "kreativem Geist". Diese Muster sind im Alltag super hilfreich, weil sie uns das Leben immens vereinfachen. Nur wenn wir ungewöhnliche Lösungsansätze suchen, stehen sie uns im Weg.

Wer begriffen hat, wie diese Denkmuster funktionieren, schafft es auch, sie auszutricksen. Das ist eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Anwendung von Kreativitätsmethoden, egal welcher Schule.

2: Innovationsprozess

Jede kreative Session hat ein Vorher und ein Nachher - und nur wenn alles zusammenpasst, kommt man zum Erfolg. Deshalb ist es wichtig, die unterschiedlichen Schritte zu kennen, die vom Problem zur Lösung führen. Es klingt trivial, aber tatsächlich scheitern viele Projekte daran, dass die Eingangsfrage nicht sauber formuliert oder die Bedeutung der Ideen-Validierung übersehen wird. Jede Phase im Innovationsprozess hat ihre eigenen Tools und erfordert ein anderes "Mindset". Zum Beispiel ist die "kritische Haltung" ein echter Killer während der Ideenfindung. Für die Situationsanalyse und Ideenauswahl ist sie hingegen essentiell.

Wer eine innovative Lösung realisieren will, muss also klar haben, in welcher Phase des Prozesses man sich gerade befindet. Nur dann lassen sich Methoden und Vorgehen passend wählen und steuern.

3: Handwerkzeug

Kreativitätstechniken

Und ja, eine gute Auswahl an Methoden gehört natürlich auch ins Kreativitätstraining. Ich finde es hilfreich, eine Übersicht unterschiedlicher Ansätze zu geben - Nutzer-orientierte Vorgehensweisen, Provokations- & Irritationstechniken, Methoden zur systematischen Variation oder Inspiration durch branchenfremde Beispiele. Hat man den Rahmen gesetzt, findet man sich leicht zurecht. Anschließend kann man ausgewählte Methoden, die sich in der Praxis bewährt haben, genauer betrachten und ausprobieren.

Tipps und Tricks für Kreativität

Neben den "eigentlichen Kreativitätstechniken" gibt es eine Reihe hilfreicher Tipps. Wie zum Beispiel sorgt man dafür, dass Regeln wie "Jede Idee ist erlaubt" auch funktionieren? Ich lasse die Gruppe immer eine "Wächter-Person" wählen, die aufpasst und bei jedem "aber" interveniert. Wenn diese Person noch einen Buzzer bekommt, klappt das hervorragend - und mit sehr viel Spaß. Solche "Tricks" sind einfach - und nicht selten machen sie einen wesentlichen Unterschied.

4: Praxisbezug

Wir lernen am besten, wenn wir etwas "tun". Die Praxis ist deshalb ein wichtiger Teil von jedem Kreativitätstraining. Spannend ist die Frage der Beispiele: eins aus dem Lehrbuch oder ein "echtes"? Ich habe beides ausprobiert - und seitdem nutze ich nur noch "echte", also kleine Projekte, für die in der Welt der Teilnehmenden tatsächlich dringend Ideen benötigt werden. Irgendetwas findet sich immer. Das Engagement und der Lerneffekt sind viel höher für, wenn ein reales Problem bearbeitet wird, und sei es noch so klein. Ebenso der Aha-Effekt, wenn Ergebnisse entstehen, die praktischen Nutezn für die Teilnehmenden haben. Eine bessere Vorbereitung für den Transfer des Gelernten in den Alltag gibt es nicht.

Lesetipps & Links:

  • Was ist die beste Kreativitätsmethode für einen Innovationsworkshop? Blog-Artikel
  • Aufräumen mit Mythen. Wie Kreativität gelingt. Blog-Artikel
  • Wir bieten auch kleine, flexible Online-Module rund um Kreativität & Problemlösen. Zur Übersicht der Module

Foto: Skye Studios auf Unsplash

29. Januar 2021

Innovationsworkshop online: Geht das?

Ja, das geht! Vor zwei Jahren war ich noch skeptisch, inzwischen habe ich es oft genug erlebt. Hier einige Tipps für einen Innovationsworkshop online. Und ein großes "Danke" an meine experimentierfreudigen Kunden und Kollegen!

Innovationsworkshop online oder offline?

Klar: offline. Spontan antwortet das fast jeder. Warum sonst auch hat man extra einen "Innovation-Space" geschaffen, mit bunten Hockern, lässigen Sofas und flexiblen Tischen. Eben: Weil eine kreative Atmosphäre leichter gelingt, wenn man sich persönlich trifft, vorzugsweise in einem inspirierenden Ambiente. Dennoch, der Bedarf an kreativen Lösungen wird ja nicht geringer in der Krise. Im Gegenteil: es gibt massenhaft Probleme zu meistern und Chancen aufzutun. Gar kein Workshop, bis es wieder live klappt, ist also keine Option. Deshalb haben wir experimentiert, erst unter Kollegen, dann mit geschätzten, test-freudigen Kunden. Und es klappt! Zwar ist ein Innovationsworkshop online anstrengender... und wir würden ein offline-Setting noch immer bevorzugen, wenn es sich mit vertretbarem Aufwand und sicher realisieren lässt. Aber wir haben festgestellt: auch online kann man zu exzellenten Ideen und Ergebnissen kommen - wenn man einige Punkte beachtet.

Hier meine Top 3 Tipps für einen Innovationsworkshop online:

1: Die richtigen Online-Tools

Zoom & Whiteboard

Die besten Erfahrungen habe ich mit einer Kombination aus Zoom und einem Online-Whiteboard gemacht. Zoom ist bislang unschlagbar, wenn es um Breakout-Groups geht. Mit keinem anderen mir bekannten Tool lassen sich die Teilnehmenden so komfortabel in Arbeitsgruppen aufteilen und wieder zusammenholen. Sollte Zoom aus Kundensicht ein No-Go sein, ist es wichtig auf der alternativen Plattform genügend Konferenzräume vorab einzurichten, in die sich die Teilnehmenden dann nach Bedarf einwählen können.

Miro oder Conceptboard

Unter den Online-Whiteboards sind Miro und Conceptboard meine Favoriten. Beide bieten eine unendliche Fläche, die während des Innovationsworkshops gemeinsam befüllt werden kann, u.a. mit Post-its, also ideal für die Ideenfindung. Die Teilnehmenden wählen sich einfach per Link ein. Sie erscheinen mit personalisiertem Cursor auf dem Board und können sich dort unabhängig voneinander bewegen und miteinander kreativ werden. Das funktioniert perfekt, wenn ich als Moderatorin das Whiteboard gut vorbereite. Die Möglichkeiten sind gigantisch: Ich kann Arbeitsbereiche für unterschiedliche Aufgabenstellungen und Gruppen anlegen, Post-its und Voting Points bereitlegen, Hintergrundinformation und Arbeitsanweisungen hinzufügen, Beispiele dazu pinnen. Außerdem Icons, Bilder und sogar Videos... Und ja, Sie vermuten richtig: diese Vorbereitung ist echt Arbeit, meist deutlich mehr als bei einem Live-Workshop, wo man seine Arbeitsblätter und Post-its in den Koffer wirft und den Arbeitsraum während des Workshops zusammen mit den Teilnehmenden gestaltet. Doch es lohnt sich!

Eventuell Mentimeter, Aha-Slides oder Kahoot

Bei längeren Workshops nehme ich gern noch eins der oben genannten Tools dazu, um rasch Kommentare zusammenzuführen, Stimmungen abzufragen, oder mit einem kurzen Quiz nach der Mittagspause für gute Laune und einen wachen Geist zu sorgen. Alle drei sind von den Teilnehmenden sehr einfach vom Smartphone aus zu bedienen und hilfreich, um die Interaktion noch lebendiger zu gestalten.

2: Kleine Teams

Ideenfindung und Ideenausarbeitung sind die zentralen Elemente jedes Innovationsworkshops. Ich bevorzuge - auch im Offline-Setting - kleinere Teams, die parallel arbeiten. Dann kommt einfach mehr raus. 5 bis 7 Personen pro Team sind ideal für die Ideenfindung, 2 bis 3 für die Ideenausarbeitung. Was nun, wenn es 8 oder 9 Teilnehmende sind? Einerseits sind Teams besonders kreativ, wenn sie divers sind, also alte und junge Menschen, Männer und Frauen, Personen unterschiedlicher Kulturkreise und Fachbereiche zusammenbringen. Das heißt, die Teams dürfen nicht zu klein sein. Anderseits ziehen sich einzelne Team-Mitglieder umso eher zurück, je größer ein Team ist, insbesondere die Introvertierten. Das sollte man vermeiden, denn oft steuern gerade die "Stillen" besonders originelle Ideen bei. Sie brauchen nur genügend Raum. Weil ein Online-Setting solche "Rückzugstendenzen" begünstigt, tendiere ich bei Online-Workshops noch mehr als sonst zu kleinen Teams. Aber klar, jede Teilnehmergruppe ist anders. Deshalb probiert man es am besten miteinander aus: Ein Ideensprint im größeren Team, einen in geteilten Teams. Danach fällt die Entscheidung meistens leicht. Hinsichtlich des Whiteboards hat es sich bewährt, für solche Fälle eine optionalen "Track" für ein weiteres Team anzulegen.

3: Noch mehr Miteinander

"Zu interaktiv" geht nicht.

Es gibt mehr Unwägbarkeiten, die Entfernung ist größer, das Potenzial für Missverständnisse höher. Deshalb sind die Teilnehmenden - noch mehr als bei Offline-Workshops - gefordert, mit dafür zu sorgen, dass es funktioniert. Durch Rückmeldungen, Fragen, Nachhaken und Meldungen, wenn Pausen nötig sind. Für mich als Moderatorin heißt das, dass ich permanent dazu einlade. Und für uns alle, dass wir Schritt für Schritt miteinander entscheiden, wie wir den Workshop gestalten: wann und wie lange wir Pausen machen, wie groß die Breakout-Groups sein sollen, ob wir noch eine Testrunde brauchen, einen weiteren Ideensprint einlegen oder weitergehen zur Ideenausarbeitung...

Teamspirit online

Ehrlicherweise hat mich das am meisten überrascht: Wie gut das Miteinander online gelingen und ein Teamgeist entstehen kann. Es ist großartig, zu erleben, wie Kolleg*innen sich gegenseitig in der Handhabung der Technik unterstützen, Pausen fordern, wenn Team-Mates erschöpft sind... oder wie sich Metaphern, prägnante Begriffe oder Witze im Zuge des Online-Workshops etablieren - gerade so, wie im persönlichen Miteinander auch. Diese Stimmung ist essentiell. Nicht nur, damit die Ideenfindung gelingt, sondern auch, damit die Umsetzung nach dem Workshop Fahrt aufnimmt. Ein erfolgreicher Innovationsworkshop liefert neben originellen Lösungsansätzen auch den Team-Impuls, den es dafür braucht.

Innovationsworkshop online: Résumé

Das habe ich gelernt: Ich bin überrascht, was geht! Eigentlich ist ein Innovationsworkshop online gar nicht sooo anders als offline. Es ist eher so, dass einige Erfolgsfaktoren, die für jeden Workshop gelten, im Online-Setting noch mehr zu Buche schlagen. Hier meine Take-Aways:

  • Ein Online-Innovationsworkshop funktioniert erstaunlich gut - sowohl im Hinblick auf die Ergebnisse als auch auf den Teamgeist.
  • Wichtige Voraussetzungen sind die richtigen Tools, kleine Teams (dafür gern mehrere parallel) und ein hohes Maß an Interaktivität.
  • Ja, wenn ich die Wahl hätte, würde ich noch immer einen Offline-Workshop bevorzugen.
  • Gleichzeitig erwachsen aus der Online-Erfahrung tolle Chancen, u.a. für "gemischte" Innovationsworkshops. Beispielsweise könnte man online Kolleg*innen aus aller Welt einfach in die Ideenfindung einbeziehen. Offline könnte man dann ausgewählte Ideen in kleinen Teams ausarbeiten und optimieren... um dann im Online-Setting wieder alle für ein Feedback einzubinden. Das weckt die Kreativität, oder?

Lesetipps & Links:

  • Was ist die beste Kreativitätsmethode für einen Innovationsworkshop? Blog-Artikel
  • Aufräumen mit Mythen. Wie Kreativität gelingt. Blog-Artikel
  • Hier geht es zu den Online-Whiteboards Miro und Conceptboard. Beide kann man kostenlos testen.

Foto: Prostock-Studio

16. September 2020

Innovationsworkshop: Welche Methode?

Die Entscheidung für einen Innovationsworkshop steht. Die Erwartungen sind hoch. Sie brauchen Ideen, die wirklich originell sind – und zugleich so praxisnah, dass Sie rasch umgesetzt werden können. Wie gelingt das?

Welche Methode für den Innovationsworkshop?

Letztens fiel mir ein „Handbuch Innovation“ in die Hände: 555 Methoden und Instrumente. Echt jetzt? Wie soll man da entscheiden, welche man nimmt? Ich habe in den letzten 20 Jahren selbst eine Menge unterschiedlicher Ansätze ausprobiert - und bin inzwischen überzeugt, dass eine gute Kreativitätsmethode genau zwei Dinge leisten muss: Erstens muss sie uns aus eingefahrenen – meist unbewussten – Denkmustern heraus helfen. Sonst bleiben wir zu nah an dem, was wir immer schon gemacht haben. Zweitens muss sie uns in Regionen führen, in denen vielversprechende Ideen zu finden sind. Sonst haben wir eine Fülle origineller Ansätze, aber nichts, was uns praktisch weiterbringt.

Geheimtipp unter den Kreativitätstechniken

Wenn man alle Kreativitätstechniken im Hinblick auf diese beiden Zielparameter durchforstet, findet man viele, die das erste und nur sehr wenige, die auch das zweite schaffen. Ich habe lange gesucht und vieles getestet. Mein Favorit ist ganz klar ASIT®, die Methode des Erfinderischen Denkens. Ungewöhnlich im Vorgehen, großartig im Ergebnis. Sie nutzt 6 Erfolgsmuster von Innovation, um das Denken in erfolgversprechende Regionen zu lenken. Mit ihrem streng systematischen Ansatz bildet sie einen Gegenpol - und eine perfekte Ergänzung - zu intuitiven Trend-Methoden wie z.B. Design Thinking oder Lego® Serious Play®. Obwohl sie (noch) nicht im Mainstream angekommen ist, wird sie von Unternehmen in aller Welt seit Jahren erfolgreich eingesetzt, u.a. zur Entwicklung von Ideen für neuer Produkte, Services oder Geschäftsmodelle. Oder zur Innovation von Abläufen, Strategien und Kampagnen für Marketing oder HR.

Ablauf des Innovationsworkshops

Wie funktioniert ein Innovationsworkshop mit der ASIT®-Methode? Wie bei jedem Workshop, beginnt es natürlich mit der Auftragsklärung: Ziel, Dauer, Teilnehmende und Setting werden abgestimmt. Dann geht’s los:

Schritt 1: Vorbereitung „Vorhaben zerlegen“

Zwei bis drei Personen vom Auftraggeber treffen sich für eine Webkonferenz mit dem Moderator. Gemeinsam erfassen Sie mit Hilfe einer Mindmap das relevante System. Geht es zum Beispiel um eine Produktinnovation, werden alle Elemente zusammengetragen, die das Produkt ausmachen. Geht es um einen Prozess, werden die einzelnen Schritte und Beteiligten notiert. Das Innovationsvorhaben wird gewissermaßen in seine Einzelteile „zerlegt“. Wer jetzt irritiert ist, kann hier nachlesen, wozu das gut ist. Tatsächlich fördert es den kreativen Prozess enorm.

Schritt 2: Ideenfindung in Teams

Der Moderator stellt die ASIT®-Methode kurz vor und zeigt anhand von Beispielen, wie die ASIT®-Denkwerkzeuge funktionieren. Mit diesem Know-how und den Listen, die aus dem Vorbereitungstreffen hervorgegangen sind, arbeiten die Teilnehmenden dann in Teams zu 5-8 selbständig weiter. In mehreren Sprints entwickeln sie Ideen, auf die sie sonst nie gekommen wären. Dank der ASIT®-Denkwerkzeuge orientieren sich diese an den Erfolgsmustern von Innovation, d.h. ein hoher Anteil ist nicht nur originell, sondern auch machbar.

Schritt 3: Ideenwahl und Optimierung

Nach jedem Ideen-Sprint wählen die Teams zunächst ein bis zwei Favoriten und schließlich die Top-Idee des Teams. Manchmal lassen sich auch mehrere Ansätze in die Sieger-Idee integrieren. So oder so, die Top-Idee wird grob skizziert – und dann einem anderen Team „zum Fraße vorgeworfen“. Was dramatisch klingt, folgt einem genau festgelegten Prozedere, um sachliche Kritik strikt von persönlicher abzugrenzen. Das Vorgehen bringt mögliche Knackpunkte ans Licht, ohne zwischenmenschliche Spannungen zu provozieren. Erfahrungsgemäß gewinnt die nachfolgende Ausarbeitung der Idee dadurch enorm an Qualität.

Schritt 4: Ideenpitch und nächste Schritte

Die Top-Ideen werden präsentiert, z.B. in 5-min Pitches oder in Form einer Ausstellung. Die Wahl kann durch die Teilnehmenden oder durch ein breiteres Publikum erfolgen. Virtuell lassen sich weitere Mitarbeiter einfach einbinden, etwa wenn im Unternehmen ein breites Engagement für die Umsetzung von Neuerungen gewünscht ist. Am Ende steht ein großer Applaus für die Gewinner-Projekte. Und – genauso wichtig – eine klare Kommunikation hinsichtlich der nächsten Schritte. Im Idealfall entwickeln die Teilnehmenden in neu gemischten Teams noch Vorschläge zur Testung der gewählten Vorhaben.

Innovationsworkshop mit der ASIT®-Methode

Die Erfahrung zeigt, dass es sich lohnt, mit der ASIT®-Methode zu arbeiten:

  • Man kann rasch starten, ohne wochenlange Vorbereitung. Die vorbereitende Webkonferenz dauert typischerweise 1,5 bis 2 Stunden.
  • Die Teilnehmenden lernen Erfolgsmuster von Innovation kennen und anwenden. Das stärkt die kreative Kompetenz und die Fähigkeit, kritische Fragen und Probleme zu meistern.
  • Das Know-how des Teams kommt voll zum Tragen. ASIT® lenkt das Denken „nur“ in neue Richtungen und hilft dadurch, das vorhandene Wissen um fachliche Sachverhalte, Branche, Kunden und Wettbewerber kreativ zu nutzen.
  • Die Ergebnisse sind überdurchschnittlich. Unkonventionell und zugleich machbar. Deshalb fällt der Weg in die Umsetzung leicht.

Mehr Info & Lesetipps:

Foto: Jaob Ammentorp Lund

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ASIT® ist eine Marke von Solid Creativity

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